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    <title>22ac6484912249888ec8148b5b7429bf</title>
    <link>https://www.spektrum-muenster.de</link>
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    <item>
      <title>Monotropismus</title>
      <link>https://www.spektrum-muenster.de/monotropismus-aufmerksamkeit-bei-autismus</link>
      <description>Monotropismus als Aufmerksamkeitsstil kann erklären, warum ein unangekündigter Themenwechsel für viele autistische Menschen mehr ist als eine kleine Störung.</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Fokus und Wechsel
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Viele meiner Klient:innen beschreiben zwei Erfahrungen, die zunächst kaum zusammenpassen. Die eine: Sie versinken in einer Tätigkeit oder ihrem Spezialinteresse und merken erst Stunden später, dass sie weder gegessen noch getrunken haben. Die andere: Ein spontaner Themenwechsel im Gespräch, eine unangekündigte Planänderung, und plötzlich fühlt sich der gesamte restliche Tag wie eine einzige Herausforderung.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Monotropismus
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            bietet dafür ein gemeinsames Erklärungsmodell.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ein Hinweis vorab: Dieser Artikel informiert, er ersetzt keine Diagnostik und keine Psychotherapie. Wenn es dir gerade sehr schlecht geht oder du Gedanken hast, dir etwas anzutun, wende dich bitte an die Telefonseelsorge (telefonisch: 116 123 oder per 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.telefonseelsorge.de/" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Chat
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           ). Für Menschen unter 25 Jahren gibt es den 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.krisenchat.de/" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Krisenchat
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           . Im Notfall wende dich bitte an die 112.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ein Tunnel statt eines Scheinwerfers
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Murray, Lesser und Lawson (2005) gehen von einer einfachen Beobachtung aus: Aufmerksamkeit ist begrenzt und verteilt sich von Mensch zu Mensch verschieden. Manche Menschen halten vieles gleichzeitig im Blick. Andere bündeln ihre Aufmerksamkeit auf wenige Interessen und nehmen dort besonders viele Details wahr. Murray und Kolleg:innen bezeichnen diese zweite Form als monotropen (vs. polytropen) Aufmerksamkeitsstil.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Innerhalb dieses Fokus können eine außergewöhnliche Verarbeitungstiefe und eine präzise Detailwahrnehmung entstehen. In den Erfahrungsberichten, die Murray und Kolleg:innen zitieren, werden zwei Dinge deutlich: Der teils Stunden andauernde Fokus führt zum Verlust des Zeitgefühls. Und weil der tiefe Fokus beinahe die gesamte Aufmerksamkeit bindet, wird die Umgebung kaum mehr wahrgenommen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Monotropismus war lange ein rein theoretisches Modell. Seit 2023 gibt es mit dem
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Monotropism Questionnaire
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            von Garau und Kolleg:innen einen Fragebogen, der ihn messbar machen soll.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Was Monotropismus mit den klassischen Diagnosekriterien zu tun hat
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Murray und Kolleg:innen (2005) beschreiben, wie sich daraus Hinweise auf alle drei diagnostischen Kriterienbereiche ergeben können. Im sozialen Kontakt laufen mehrere Anforderungen gleichzeitig: Mimik lesen, Tonfall interpretieren, die eigene Antwort vorbereiten und den Gesprächsfluss im Blick behalten. Ein monotroper Aufmerksamkeitsstil richtet sich eher auf einen Kanal. Andere Menschen oder Signale können dadurch im Hintergrund bleiben. Die Motivation, sich in andere hineinzuversetzen, kann nach Murray und Kolleg:innen entstehen, wenn diese anderen in den eigenen Fokus eintreten und dort eine Rolle spielen. Fremde Perspektiven wahrzunehmen bleibt dabei eine Leistung, die nicht automatisch geschieht.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Auch sog. repetitive Verhaltensweisen lassen sich so betrachten. Intensive Interessen binden Aufmerksamkeit besonders stark. Routinen machen den Einstieg in vertraute Tätigkeiten vorhersehbarer.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ein unangekündigter Wechsel kann deshalb besonders hart sein. Wer tief im Fokus ist, erlebt eine scheinbar kleine Planänderung unvermittelt und reagiert mit deutlichem Stress. Nach einer Unterbrechung oder einem plötzlichen Wechsel kann Stimming oder eine vertraute Tätigkeit helfen, in einen regulierteren Zustand zurückzufinden.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Tiefer Fokus kann entlasten und belasten
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Dwyer und Kolleg:innen (2024) haben 492 Erwachsene aus vier Gruppen verglichen: autistisch, mit ADHS, mit beidem zusammen und eine Kontrollgruppe. In allen vier Gruppen berichteten Personen mit stärkerem Hyperfokus auch mehr Unaufmerksamkeit. Das kann darauf hindeuten, dass Hyperfokus und Ablenkbarkeit je nach Kontext zwei Seiten derselben Aufmerksamkeitsorganisation sind.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Hyperfokus hängt direkt mit geringerer Lebensqualität zusammen. Gleichzeitig berichteten Menschen mit stärkerem Hyperfokus auch von mehr kreativen, produktiven und freudigen Momenten. Ob der tiefe Fokus belastet oder Freude macht, hängt offenbar davon ab, in welchem Zusammenhang er auftritt und wie die Person ihn erlebt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           In dieser Stichprobe berichteten zwei Drittel bis knapp drei Viertel der neurodivergenten Gruppen von Angststörungen. Rund die Hälfte berichtete von einer Depression, in der Kontrollgruppe war es etwa ein Fünftel. Die Angaben stammen aus Selbstberichten und sind keine klinisch gesicherten Häufigkeiten. Der Zusammenhang zwischen Hyperfokus und belastendem Grübeln war bei nicht-autistischen Teilnehmenden deutlich stärker als bei autistischen. Dieser Unterschied entstand vor allem in der Kontrollgruppe.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wie ich mit Monotropismus in der Beratung umgehe
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Murray und Kolleg:innen (2005) formulieren Grundsätze für die Begleitung monotroper Menschen, und Brosnan und Camilleri (2025) fassen den Kern davon in einem Bild: Unterstützung heißt, sich zu einer autistischen Person in ihren Tunnel zu setzen, statt sie herauszuholen. Sie selbst wenden diesen Gedanken auf digitale, erzählende Unterstützungsformate an. Für das Gespräch übersetze ich ihn so, dass ich bei vorhandenen Interessen ansetze und sie später mit der Exploration von Gefühlen, Werten und Identität verknüpfe.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Den Gesprächsrahmen halte ich vorhersehbar. Themenwechsel vermeide ich nach Möglichkeit, und wenn doch einer kommt, kündige ich ihn an und frage nach der Kapazität, ihn mitzugehen. Pro Sitzung bleibe ich bei ein bis zwei Bereichen. Ausführungen, die auf mich sehr detailliert wirken, unterbreche ich seltener und später als ich es früher getan hätte. Ich denke dabei nicht an Monologisieren sondern an den monotropen Stil, der die Details vor dem
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Großen Ganzen
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            verarbeitet. Den Gesamtzusammenhang erkunden wir gemeinsam.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Wo Missverständnisse entstehen, frage ich zusätzlich, was auf beiden Seiten passiert. Das entspricht dem
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Double Empathy Problem
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           : Kommunikative Herausforderungen entstehen zwischen unterschiedlichen neurologischen Profilen. Sie entstehen nicht auf der einen, also der autistischen Seite, sondern sind ein Produkt der wechselseitigen Interaktion.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Solche Missverständnisse wiederholen sich, und Murray und Kolleg:innen (2005) vermuten, dass sie bei depressiven Symptomen eine Rolle spielen können, etwa wenn Gesprächspartner:innen unruhig werden oder eine erwartete Reaktion ausbleibt. Depressive Symptome bei monotropen Klient:innen ordne ich deshalb heute anders ein als früher und frage auch danach, wie die soziale Umgebung auf die Person wirkt. Ein monotroper Aufmerksamkeitsstil trifft häufig auf eine Welt, die breite Aufmerksamkeit und schnelle Wechsel verlangt. Daraus kann Erschöpfung entstehen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Zum Schluss
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich schreibe über Monotropismus, weil diese Theorie vieles verständlich macht, was Klient:innen über ihre Aufmerksamkeit berichten.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Neugierig auf Mehr? Wenn tiefer Fokus abrupt endet, kann selbst das Weitermachen schwerfallen. Davon handelt mein Artikel 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="/autistische-inertia-warum-anfangen-und-aufhoren-so-schwer-sind" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Autistische Inertia: warum Anfangen und Aufhören so schwer sind
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           .
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wenn du beim Lesen etwas wiedererkannt hast, kannst du dafür mein 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://forms.spektrum-muenster.de/workbook" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Workbook
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            nutzen. Es ist frei zugänglich und benötigt weder Anmeldung noch Mailadresse.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Quellen
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;ul&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Brosnan, M., &amp;amp; Camilleri, L. J. (2025). Neuro-Affirmative Support, the Double Empathy Problem and Monotropism.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Frontiers in Psychiatry, 16
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             , 1538875.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.3389/fpsyt.2025.1538875" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.3389/fpsyt.2025.1538875
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Dwyer, P., Williams, Z. J., Lawson, W. B., &amp;amp; Rivera, S. M. (2024). A Trans-Diagnostic Investigation of Attention, Hyper-Focus and Monotropism.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Neurodiversity, 2
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            . 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1177/27546330241237883" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1177/27546330241237883
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Garau, V., Woods, R., Chown, N., Hallett, S., Murray, F., et al. (2023). The Monotropism Questionnaire [Preprint].
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Open Science Framework.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.17605/OSF.IO/G2NM7" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.17605/OSF.IO/G2NM7
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Murray, D., Lesser, M., &amp;amp; Lawson, W. (2005). Attention, monotropism and the diagnostic criteria for autism.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Autism, 9
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             (2), 139–156. 
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1177/1362361305051398" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1177/1362361305051398
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
  &lt;/ul&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 31 Aug 2026 17:40:42 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.spektrum-muenster.de/monotropismus-aufmerksamkeit-bei-autismus</guid>
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      </media:content>
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        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Autistisches Camouflaging</title>
      <link>https://www.spektrum-muenster.de/autistisches-camouflaging-masking</link>
      <description>Camouflaging (Masking): Was die Forschung über das Verbergen autistischer Merkmale weiß, warum es erschöpft, und wie ich in der Beratung mit Masking umgehe.</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Durch soziale Interaktion navigieren
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich frage im Erstgespräch häufig, ob jemand in Gesprächen bewusst darauf achtet, wie er oder sie wirkt. Oft höre ich: „Ja, natürlich. Blickkontakt darf nicht zu lang und nicht zu kurz sein. Ich muss darauf achten, dass ich nicht starre. Mit meiner Mimik und den Kopfbewegungen zeige ich Interesse an der Konversation. Ich passe meine Sprachmelodie an, damit ich lebhafter klinge, und achte darauf, dass mein Oberkörper nicht zu steif aussieht. Und: Auch nach einem kurzen Treffen brauche ich oft eine mehrstündige Pause, in der ich mich komplett abschirme und alles abdunkle.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            In der Forschung heißt dieses Anpassen
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Camouflaging
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            , in der deutschsprachigen Praxis meist
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Masking
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           .
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ein Hinweis vorab: Dieser Artikel informiert, er ersetzt keine Diagnostik und keine Psychotherapie. Wenn es dir gerade sehr schlecht geht oder du Gedanken hast, dir etwas anzutun, wende dich bitte an die Telefonseelsorge (telefonisch: 116 123 oder per 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.telefonseelsorge.de/" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Chat
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           ). Für Menschen unter 25 Jahren gibt es den 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.krisenchat.de/" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Krisenchat
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           . Im Notfall wende dich bitte an die 112.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Drei Unterformen von Camouflaging
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Hull und Kolleg:innen (2019) beschreiben Camouflaging in drei Komponenten. Ihr
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Camouflaging Autistic Traits Questionnaire
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (CAT-Q) erfasst
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Kompensation
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ,
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Masking
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            und
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Assimilation
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           . Kompensation meint das aktive Ausgleichen von Herausforderungen, etwa durch das Beobachten anderer im echten Leben oder in Filmen und Serien, um Gesprächsskripte einzuüben. Beim Masking im engeren Sinn geht es um zweierlei: das Verbergen autistischer Merkmale, z. B. indem die Körpersprache kontrolliert wird oder indem Stimming oder andere Verhaltensweisen unterdrückt werden, um sich nicht als autistisch zu outen, und das aktive Darstellen einer nicht-autistischen Persona, also das gezielte Herstellen eines Auftretens, das entspannt und selbstverständlich wirkt. Assimilation meint das Bemühen, sich an die impliziten Regeln einer sozialen Gruppe anzupassen, oft verbunden mit dem Gefühl, eine Rolle zu spielen und nicht man selbst zu sein.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Wie konkret sich das anfühlt, zeigen einzelne Items des
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://adhs-erwachsene.net/cat-q/" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Fragebogens
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            .
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;ul&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Zur Kompensation gehört etwa: „Ich habe ein inneres Skript für soziale Situationen entwickelt (zum Beispiel eine Liste von Fragen oder Gesprächsthemen).“
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Zum Masking: „Ich passe meinen Gesichtsausdruck und meine Körpersprache an, um entspannt zu wirken.“
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Zur Assimilation: „In sozialen Situationen fühlt es sich so an, als würde ich so tun, als wäre ich ‚normal‘.“
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
  &lt;/ul&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Studie mit 832 Erwachsenen, davon 354 autistisch und 478 nicht-autistisch, zeigt, dass der Fragebogen zuverlässig zwischen beiden Gruppen unterscheidet. Camouflaging kommt demnach auch bei nicht-autistischen Menschen vor, nur seltener und schwächer. Der Abstand ist allerdings nicht bei allen drei Strategien gleich groß: Bei Assimilation und Kompensation liegen die autistischen Werte weit höher, beim Masking im engeren Sinn ist der Unterschied klein.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Was das Camouflaging kostet
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Bradley und Kolleg:innen (2021) haben 277 autistische Erwachsene nach ihren Erfahrungen mit Camouflaging gefragt. Das am häufigsten genannte Wort war erschöpfend, gefolgt von belastend und ermüdend. Manche Teilnehmende berichteten von ganzen Tagen im Rückzug nach einer einzelnen sozialen Situation, andere von Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und schmerzenden Muskeln danach.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Camouflaging kostet auch an anderer Stelle: 21 der Befragten beschrieben einen Verlust an Selbstwert und Identität, 17 fühlten sich unecht. Ein Teilnehmer sprach von einem Flickenteppich aus sozialen Rollen statt einer zusammenhängenden Identität. Wer über Jahre hinweg eine Persona aufrechterhalten muss, verliert nach und nach das Gefühl dafür, was man wirklich fühlt und wer man in Wirklichkeit ist.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Camouflaging kann die Diagnostik erschweren, weil „erfolgreiches“ Masking genau die Merkmale verdeckt, nach denen Fachkräfte suchen. Ob Masking zu einer späteren Diagnose führt, ist bisher kaum untersucht, wenn auch plausibel. Der Übersichtsarbeit von Alaghband-Rad und Kolleg:innen (2023) zufolge hat nur eine Studie diesen Zusammenhang mit dem tatsächlichen Diagnosealter geprüft. Und diese eine Studie fand keinen Zusammenhang. Lai und Kolleg:innen (2017) fanden bei 60 autistischen Erwachsenen außerdem keinen Zusammenhang zwischen Camouflaging und Intelligenz. „Erfolgreiches“ Masking scheint damit eher eine Frage der Anstrengung als der kognitiven Fähigkeit zu sein.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Camouflaging kann zugleich Zugang zu Arbeit, Freundschaften, Partnerschaft und Alltag eröffnen und vor Mobbing und Ausgrenzung schützen. Bradley und Kolleg:innen (2021) berichten, dass viele Teilnehmende diese Zugänge ohne das Anpassen nicht bekommen hätten. Diese Schutzfunktion gehört für viele ebenso zur Erfahrung wie die Erschöpfung.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Gender und Camouflaging
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Camouflaging wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft an Frauen geknüpft, und Lai und Kolleg:innen (2017) fanden tatsächlich im Schnitt deutlich höhere Werte bei Frauen als bei Männern. Die Verteilungen überlappten sich gleichzeitig erheblich: Es gab Frauen mit niedrigem und Männer mit hohem Camouflaging.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der Fokus auf Frauen ist vor allem für die formale Diagnostik wichtig, da diese mehr als Männer Gefahr laufen, „durchs Raster“ zu fallen. Auf der anderen Seite kann derselbe Fokus den Blick auf andere Gruppen auch verstellen. Camouflaging bei Männern und nichtbinären Personen wird in der Diagnostik möglicherweise seltener angesprochen, obwohl Lai und Kolleg:innen (2017) einen Zusammenhang zwischen Camouflaging und depressiven Symptomen nur bei den Männern ihrer Stichprobe fanden. Männliche Klienten sprechen ihr eigenes Masking seltener von sich aus an. Dadurch kann es in der Diagnostik unbemerkt bleiben. Wie sich dieses Muster bei Frauen konkret mit Erschöpfung und Fehldiagnosen verbindet, beschreibe ich ausführlicher in 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="/autistisches-burnout-bei-frauen" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Autistisches Burnout bei Frauen
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           .
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wie ich in der Beratung mit Camouflaging umgehe
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Camouflaging aktiv anzusprechen gehört für mich früh ins Erstgespräch, unabhängig davon, wie unauffällig jemand im Gespräch wirkt. Ich frage etwa: „Gibt es Situationen, in denen Sie sich bewusst anpassen, um nicht aufzufallen?“ Diese Frage öffnet den Raum, ohne der Diagnose vorzugreifen. Bradley und Kolleg:innen (2021) fanden, dass 17 ihrer Befragten nach der Diagnose deutlich weniger camouflierten. Die Diagnose gab ihnen eine Erklärung und eine Erlaubnis. Dieser Moment kann damit bereits entlastend sein.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Ein Werkzeug, das ich in der Beratung nutze, ist eine Art
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Masking-Tagebuch
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           . Klient:innen halten über ein bis zwei Wochen für jede bedeutsame Interaktion fest, was sie vorher vorbereiten, währenddessen beobachten und danach verarbeiten. Häufig zeigt sich dabei, dass das Nachbereiten eines dreißigminütigen Gesprächs viel länger als das Gespräch selbst dauert. Viele Klient:innen wissen um ihr Masking, registrieren aber kaum mehr, wie viele Ressourcen diese Leistung zieht, weil es beinahe ein Teil ihrer Identität geworden ist. Die notierten Zeiten machen den Zusammenhang zwischen Camouflaging und Erschöpfung an konkreten Zahlen sichtbarer.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Masking ist eine Strategie, die – wie viele neurodivergente Menschen sagen – nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch jetzt noch deren Überleben in der neurotypisch geprägten Umwelt sichert. In meiner Beratung geht es daher nicht um die Frage nach „Masking: ja oder nein“. Vielmehr suche ich mit meinen Klient:innen nach Räumen, in denen sie mehr sie selbst, mehr autistisch sein können, ohne Stigmatisierung und Ausgrenzung zu erfahren. Solche Räume sind, wenn auch anfangs vielleicht nur im Kleinen, oft schon vorhanden.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Zum Schluss
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich schreibe über Camouflaging, weil es zu den autistischen Erfahrungen gehört, die von außen am schwersten zu erkennen sind. Camouflaging bleibt von außen oft unsichtbar. Wer sich „gut“ maskiert, wirkt unauffällig, funktional, vielleicht sogar souverän, auch wenn die dahinterliegende Anstrengung groß ist.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wenn du beim Lesen etwas wiedererkannt hast, kannst du dafür mein 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://forms.spektrum-muenster.de/workbook" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Workbook
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            nutzen. Du lernst meine Beratung dabei besser kennen und du kannst dort den erwähnten CAT-Q selbst ausfüllen. Er wird danach automatisch ausgewertet. Das Workbook ist kostenlos und deine Daten bleiben lokal in deinem Browser.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Quellen
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;ul&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Alaghband-Rad, J., Hajikarim-Hamedani, A., &amp;amp; Motamed, M. (2023). Camouflage and masking behavior in adult autism.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Frontiers in Psychiatry, 14
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            , 1108110. 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.3389/fpsyt.2023.1108110" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.3389/fpsyt.2023.1108110
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Bradley, L., Shaw, R., Baron-Cohen, S., &amp;amp; Cassidy, S. (2021). Autistic Adults' Experiences of Camouflaging and Its Perceived Impact on Mental Health.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Autism in Adulthood, 3
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (4), 320–329. 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1089/aut.2020.0071" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1089/aut.2020.0071
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Hull, L., Petrides, K. V., Allison, C., Smith, P., Baron-Cohen, S., Lai, M.-C., &amp;amp; Mandy, W. (2017). “Putting on My Best Normal”: Social Camouflaging in Adults with Autism Spectrum Conditions.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Journal of Autism and Developmental Disorders, 47
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (8), 2519–2534. 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1007/s10803-017-3166-5" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1007/s10803-017-3166-5
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Hull, L., Mandy, W., Lai, M.-C., Baron-Cohen, S., Allison, C., Smith, P., &amp;amp; Petrides, K. V. (2019). Development and Validation of the Camouflaging Autistic Traits Questionnaire (CAT-Q).
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Journal of Autism and Developmental Disorders, 49
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (3), 819–833. 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1007/s10803-018-3792-6" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1007/s10803-018-3792-6
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Lai, M.-C., Lombardo, M. V., Ruigrok, A. N. V., Chakrabarti, B., Auyeung, B., Szatmari, P., Happé, F., Baron-Cohen, S., &amp;amp; MRC AIMS Consortium. (2017). Quantifying and exploring camouflaging in men and women with autism.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Autism, 21
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (6), 690–702. 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1177/1362361316671012" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1177/1362361316671012
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Semmler, N., &amp;amp; Koch, N. (2025). Camouflaging Autistic Traits Questionnaire (CAT-Q) — deutsche Version. 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://adhs-erwachsene.net/" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            adhs-erwachsene.net
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
             (Quelle der im Text zitierten Item-Wortlaute; an einer deutschen Stichprobe normiert, nicht peer-reviewed publiziert)
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
  &lt;/ul&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://de.cdn-website.com/35d48a784ab4418ba44d866260723e9d/dms3rep/multi/pexels-photo-11544373-b42934a0.png" length="2740547" type="image/png" />
      <pubDate>Mon, 31 Aug 2026 17:28:20 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.spektrum-muenster.de/autistisches-camouflaging-masking</guid>
      <g-custom:tags type="string" />
      <media:content medium="image" url="https://de.cdn-website.com/35d48a784ab4418ba44d866260723e9d/dms3rep/multi/pexels-photo-11544373-b42934a0.png">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
      <media:content medium="image" url="https://de.cdn-website.com/35d48a784ab4418ba44d866260723e9d/dms3rep/multi/pexels-photo-11544373-b42934a0.png">
        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Autismus und Schematherapie</title>
      <link>https://www.spektrum-muenster.de/autismus-und-schematherapie</link>
      <description>Autismusgerechte Anpassung des Schema-Memos aus der Schematherapie. Wenn der Realitätsabgleich an der Realität scheitert. Arbeitsmaterial für autistische Erwachsene.</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wenn die Realitätsprüfung an der Realität scheitert
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           In der Arbeit mit meinen autistischen Klient:innen erlebe ich über die Berichte verschiedener Personen hinweg ähnliche Muster. Viele autistische Menschen machen oft folgende Erfahrungen. Sie erleben:
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;ul&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Invalidierung
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            , d.h. ihre Gefühle und ihr Erleben werden heruntergespielt, missachtet oder ihnen gänzlich abgesprochen.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Gaslighting
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            , d.h. sie werden Opfer einer gezielten Manipulation, die die eigene Wahrnehmung, Erinnerung und den Verstand infrage stellen soll.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Victim Blaming
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             oder
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Täter-Opfer-Umkeh
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            r, d.h. die Verantwortung für ein Unrecht wird vom tatsächlichen Täter auf das Opfer (die autistische Person) übertragen.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
  &lt;/ul&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wichtig zu wissen ist, dass alle drei Phänomene Formen von psychischer Gewalt darstellen und echten Schaden anrichten können.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Invalidierung liegt bspw. vor, wenn du bei deiner Hausärztin von deinen realen Beschwerden erzählst und sie dich mit Worten abspeist wie: „Machen Sie sich mal keine Sorgen. Sie sind jung, da wird schon nichts sein." Oder wenn dein:e Freund:in dir, möglicherweise sogar mit guter Absicht, spiegelt: „Das wird schon wieder. Jede:r hat mal einen schlechten Tag."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Gaslighting liegt vor, wenn du bspw. an einem Familienfest nicht teilnehmen möchtest und jemand dir entgegnet: „Es ist doch gar nicht laut (Gaslighting). Gib doch einfach zu, dass du keine Lust auf uns hast."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Und Victim Blaming oder Täter-Opfer-Umkehr liegt vor, wenn dein:e Partner:in dir vorwirft: „Weil du nicht direkt antwortest, zwingst du mich dazu, dass ich dich anschreie." Das tatsächliche Fehlverhalten der anderen Person (anschreien) wird durch das angebliche eigene Fehlverhalten erklärt bzw. legitimiert (ruhig sein). So wird das tatsächliche Opfer zur Täter:in gemacht („du strafst mich mit Schweigen"), und die tatsächliche Täterin oder der Täter macht sich selbst zum Opfer („ich muss dein Schweigen erleiden").
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Solche Themen kommen in meiner Beratung häufig vor. Dass autistische und andere neurodivergente Menschen damit nach meiner Erfahrung häufiger zu tun haben, finde ich nicht verwunderlich. Der gängigen Prämisse folgend, dass autistische Wahrnehmung häufig anders funktioniert als neurotypische, sind Missverständnisse (vielleicht kennst du das
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="/ressourcen#dep"&gt;&#xD;
      
           Double Empathy Problem
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ) soz.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           vorprogrammiert
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            . Missverständnisse per se müssen nicht automatisch zu Verletzungen führen. Aber in der Konstellation, in der eine autistische Person ein Missverständnis mit einer neurotypischen Person hat, gibt es meines Erachtens eine Art Gefälle oder Disbalance: Die autistische Person befindet sich mit ihrer Wahrnehmung eher, statistisch sogar wahrscheinlicher, in der Minderheit. Die neurotypische Seite kann eher darauf vertrauen, dass ihre Wahrnehmung
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           die richtige
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ist, weil sie von einer Mehrheit ähnlich wahrnehmender Individuen gestützt wird. Und so entstehen viel schneller Situationen, in denen aus einem eigentlich harmlosen Missverständnis („Oh, das habe ich gerade nicht verstanden. Wie siehst du das?") nicht selten ein Vorwurf oder eine Zurechtweisung wird („Das ist doch gar nicht so. Wie kommst du denn auf sowas? Warum bist du so empfindlich?").
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Diesen kompletten Vorlauf an Informationen wollte ich dir mitgeben, bevor ich eine Methode vorstelle, die aus der sog.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Schematherapie
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            von Jeffrey Young kommt, und die ich in eine autismusgerechte Version anpassen möchte. Denn das sog.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Schema-Memo
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           , das ich gleich erkläre, arbeitet an einer wichtigen Stelle damit, die eigene Reaktion auf die eigene Wahrnehmung und die eigenen Gefühle zu prüfen, um eine herausfordernde Situation für sich besser einzuordnen. Diese Realitätsprüfung scheitert aber bei neurodivergenten Menschen meiner Meinung nach an ebendieser Realität.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ein Hinweis vorab: Ich arbeite als psychologischer Berater, nicht als Psychotherapeut. Dieser Artikel informiert und ersetzt keine Diagnostik und keine Psychotherapie. Wenn es dir gerade sehr schlecht geht oder du Gedanken hast, dir etwas anzutun, wende dich bitte an die Telefonseelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, rund um die Uhr, kostenfrei) oder im Notfall an die 112.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das originale Arbeitsblatt
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das Schema-Memo führt in vier Schritten durch eine Situation, die eine besonders starke, als negativ empfundene emotionale Reaktion hervorgerufen hat, und die du dir aus ihr allein nicht gänzlich erklären kannst. Zuerst benennst du das Gefühl und den Auslöser, danach das Schema oder den Modus, der aktiviert wurde, samt der Kindheitserfahrung, aus der du ihn kennst. Der dritte Schritt heißt „Anerkennen der Dysfunktionalität / Realitätsprüfung", der vierte „Trennen vom alten und Einbrennen des neuen Verhaltensimpulses". Die deutsche Fassung stammt von Eckhard Roediger nach Jeffrey Young (1996/2002) und steht frei zum Download auf der Materialienseite von 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.schematherapie-frankfurt.de/index.php/materialien/therapiematerialien/arbeitsblaetter-vortragsfolien" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           schematherapie-frankfurt.de
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           .
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Die ersten beiden Schritte helfen nach meiner Erfahrung auch autistischen Erwachsenen. Denn wenn du merkst, dass deine Reaktion aus einer langen Vorgeschichte kommt und nicht
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           mal eben
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            aus einer vermeintlichen Kleinigkeit entstanden ist, dann ist es dir mehr möglich, sanfter mit dir umzugehen und echtes Verständnis aufzubauen. Meine eigene Version, das Arbeitsblatt „
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="/ressourcen#schema-memo"&gt;&#xD;
      
           Was gerade in mir angeht
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           ", übernimmt sie deshalb im Kern.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der schmale Grat zwischen Realitätsabgleich und Invalidierung
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Im dritten Schritt gibt das klassische Blatt drei Satzanfänge vor: „Obwohl ich glaube (negativer Gedanke/Innere-Eltern-Stimme) …", „Ist die Realität, dass (rationale Sichtweise/Gesunder Erwachsener) …" und „Beweise (konkrete Beispiele) …". Du sollst also Belege dafür zusammentragen, dass die Sätze und Schlussfolgerungen, die mit deinen Gefühlen mitschwingen, in deiner Gegenwart nicht mehr ganz zutreffend sind.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Bei vielen meiner autistischen Klient:innen sind aber genau diese Schlussfolgerungen auch in ihrer heutigen Situation plausibel und beinahe vernünftig, nicht etwa verzerrt oder überzogen. Autistische Kinder erleben häufiger Mobbing, Ausgrenzung und Beschämung, und häufiger mehrere Formen von Gewalt nebeneinander, auch in Einrichtungen und im Gesundheitswesen (Spicer et al., 2024). Spicer et al. (2024) beschreiben die Belastung autistischer Erwachsener zudem über ein angepasstes Minderheitenstress-Modell: Ein Teil des Drucks kommt weiterhin von außen, aus einer Umgebung, die auf neurotypische Menschen zugeschnitten ist, ein anderer ist verinnerlicht und wirkt als erwartete Zurückweisung oder als Scham über die eigene Identität weiter.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wenn du nach einem Arzttermin denkst, deine Sorgen seien wieder nicht ernst genommen worden, prüfst du damit keine verzerrte Annahme. Du beschreibst eine Erfahrung, die dir nicht nur biografisch recht gibt, sondern die auch viele autistische Menschen noch im Erwachsenenalter machen. Eine durch das Arbeitsblatt angeleitete Beweisführung gegen diese Wahrnehmung kann dieselbe Invalidierung auslösen, die du aus anderen Kontexten kennst, und das alte Muster perpetuieren.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Was ich stattdessen prüfe
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Mein angepasstes Blatt fokussiert an dieser Stelle auf ein anderes Ziel: Näher beleuchtet wird die Verallgemeinerung, die du aus deiner Erfahrung über dich selbst gezogen hast. Der Schritt heißt „Was wahr ist, aber trotzdem nicht daraus folgt" und hat drei Spalten. In die erste schreibst du, was wahr ist, zum Beispiel: „Medizinisches Fachpersonal nimmt meine Sorgen häufig nicht ernst." In die zweite kommt, was daraus trotzdem nicht folgt, etwa: „dass ich etwas falsch gemacht habe oder etwas falsch mit mir ist." Die dritte, „Wo es anders war oder anders sein kann", sammelt die Gegenbeispiele zu dieser zweiten Zeile, nicht zur ersten. Deine Erfahrung bleibt also stehen. Was du prüfst, ist der Satz über dich selbst, den du dir daraus abgeleitet hast.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Was daraus für den letzten Schritt folgt
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der letzte Schritt des klassischen Blattes soll das alte Bewältigungsverhalten ablösen und setzt damit voraus, dass dessen frühere Funktionalität heute kaum oder nicht mehr benötigt wird. Es wird im vorliegenden Kontext als dysfunktionalbezeichnet. Für Masking gilt das aus meiner Sicht nicht: Es ist insofern alt, als viele autistische Menschen schon sehr früh zu masken lernen. Aber es ist auch eine Strategie, die in einem neurotypisch dominierten Umfeld noch im Erwachsenenalter notwendig ist.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Denn solange Risiken wie Ausgrenzung, Stigmatisierung oder Invalidierung real bleiben, bleibt auch dein Schutz begründet. Mein Arbeitsblatt würdigt das alte Verhalten deshalb zuerst und regt danach nur einen einzigen kleinen Schritt für das nächste Mal an, den du selbst wählst.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Was die Forschung sagt
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Vuijk et al. (2024) haben in einem Review zusammengetragen, was zur Schematherapie bei autistischen Erwachsenen vorliegt: elf Publikationen seit 2014, darunter Fallbeispiele, konzeptuelle Modelle und drei Untersuchungen zur Wirksamkeit. Die Autor:innen bezeichnen ihre Arbeit ausdrücklich als Landkarte der vorhandenen Literatur und nicht als Synthese klinischer Wirksamkeit. Die Studien arbeiten bspw. nur mit kleinen Stichproben und ohne Kontrollgruppen. Auch Spicer et al. (2024) legen keine eigene Wirksamkeitsstudie vor, sondern einen Übersichtsartikel, der Anpassungen theoretisch und aus klinischer sowie gelebter Erfahrung begründet.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Einen Wirksamkeitsnachweis für an autistische Erwachsene angepasste Schematherapie gibt es damit bisher nicht. Mein eigenes Blatt baut daher auf meiner Erfahrung mit all den autistischen Menschen auf, die ich über die Zeit kennenlernen durfte.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das Blatt zum Downloaden
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Was gerade in mir angeht" umfasst fünf Seiten und ist frei verfügbar: 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://de.cdn-website.com/35d48a784ab4418ba44d866260723e9d/files/uploaded/schema_modus_memo-93b038be.pdf" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           PDF herunterladen
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           . Es beginnt beim Körper statt beim Gefühl, sortiert vorher einmal, ob es zu viele Reize waren (dann darfst du aufhören), und will dir zeigen, dass es autistische Realitäten anerkennt. Du darfst es gerne für dich nutzen. Ich hoffe, es kann dir etwas zurückgeben.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Quellen
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;ul&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Spicer, L., DeCicco, E., Clarke, A., Ambrosius, R., &amp;amp; Yalcin, O. (2024). Understanding early maladaptive schemas in autistic and ADHD individuals: exploring the impact, changing the narrative, and schema therapy considerations.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Frontiers in psychology, 15,
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             1436053.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.3389/fpsyg.2024.1436053" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.3389/fpsyg.2024.1436053
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Vuijk, R., Turner, W., Zimmerman, D., Walker, H., &amp;amp; Dandachi-FitzGerald, B. (2024). Schema therapy in adults with autism spectrum disorder: A scoping review.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Clinical Psychology &amp;amp; Psychotherapy, 31
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             (1), e2949.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1002/cpp.2949" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1002/cpp.2949
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
  &lt;/ul&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://de.cdn-website.com/35d48a784ab4418ba44d866260723e9d/dms3rep/multi/pexels-photo-36455673.jpeg" length="188582" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Sat, 29 Aug 2026 21:17:10 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.spektrum-muenster.de/autismus-und-schematherapie</guid>
      <g-custom:tags type="string" />
      <media:content medium="image" url="https://de.cdn-website.com/35d48a784ab4418ba44d866260723e9d/dms3rep/multi/pexels-photo-36455673.png">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
      <media:content medium="image" url="https://de.cdn-website.com/35d48a784ab4418ba44d866260723e9d/dms3rep/multi/pexels-photo-36455673.jpeg">
        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Autistische Inertia</title>
      <link>https://www.spektrum-muenster.de/autistische-inertia-warum-anfangen-und-aufhoren-so-schwer-sind</link>
      <description>Autistische Inertia, fachlich eingeordnet: Forschungsstand, Abgrenzung zu Prokrastination und Depression, und warum externe Struktur mehr hilft als Disziplin.</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Warum Anfangen und Aufhören so schwer sind
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Du nimmst dir etwas vor — eine Erledigung, Care-Arbeit oder einfach aufzustehen — und es passiert trotzdem nicht. Oder du bist mittendrin, ganz versunken, und kommst nicht mehr heraus. Beides hat einen Namen: autistische Inertia. Dieser Artikel erklärt, was die Forschung dazu sagt und warum die üblichen Motivationsratschläge am Problem vorbeigehen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Vielleicht kennst du das, auch wenn du es bisher anders benannt hast: Du weißt seit zwei Stunden, dass du nur kurz aufstehen und eine Mail abschicken müsstest. Du hast den Text im Kopf. Es wäre eine Sache von fünf Minuten. Und trotzdem passiert es nicht. Du sitzt weiter da, leicht gelähmt, mit einer unterschwelligen Dringlichkeit, die aber nicht zur entsprechenden Handlung führt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Oder umgekehrt: Du hast dich in eine Arbeit vertieft — eine Recherche, ein Textprojekt, das Putzen der Küche — und merkst erst Stunden später, dass du weder gegessen noch getrunken oder eine Pause gemacht hast. Wenn du einmal eingetaucht und versunken bist, ist das Auftauchen mindestens genauso schwierig.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Beides gehört zu einem Konzept, welches die Autismusforschung zunehmend unter den Begriff autistische Inertia fasst.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ein Hinweis vorab: Dieser Artikel informiert, er ersetzt keine Diagnostik und keine Psychotherapie. Wenn es dir gerade sehr schlecht geht oder du Gedanken hast, dir etwas anzutun, wende dich bitte an die Telefonseelsorge (telefonisch: 116 123 oder per 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.telefonseelsorge.de/" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Chat
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           ). Für Menschen unter 25 Jahren gibt es den 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.krisenchat.de/" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Krisenchat
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           . Im Notfall wende dich bitte an die 112.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ﻿
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      
           Was Inertia meint
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Im physikalischen Kontext beschreibt Inertia die Eigenschaft eines Körpers, seinen Bewegungszustand beizubehalten. Ruhe bleibt Ruhe und Bewegung bleibt Bewegung - bis eine äußere Kraft einwirkt und dadurch den Zustand verändert. In der autistischen Erfahrung beschreibt Inertia etwas Ähnliches: die Anstrengung, von einem Handlungszustand in einen anderen zu wechseln. Geprägt wurde der Begriff in der autistischen Community selbst — Martijn Dekker dokumentierte das Phänomen bereits 1999 in einem 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.autscape.org/2015/programme/handouts/Autistic-Culture-07-Oct-1999.pdf" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Konferenzbeitrag
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            für die Autism99-Online-Konferenz; die akademische Forschung hat erst Jahrzehnte später nachgezogen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Im Alltag wird Inertia häufig mit Dingen verwechselt, die anders funktionieren. Prokrastination im klassischen Sinne meint die Vermeidung einer unangenehmen Aufgabe; bei Inertia weiß die Person dagegen oft sehr genau, dass sie die Handlung möchte, und kommt trotzdem nicht in Bewegung. In der Studie von Ward und Kolleg:innen (2026) berichten die Teilnehmenden, dass auch Vorfreude und echtes Interesse das Anfangen nicht erleichterten. Auch die Gleichsetzung mit einem depressionsbedingten verminderten Antrieb führt in die Irre, obwohl die Phänomenologie auf den ersten Blick ähnlich scheint. Die Forschung behandelt Inertia als eigenständiges Phänomen, das von Prokrastination, Depression, Katatonie und Burnout zu unterscheiden ist (Ward et al., 2026).
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Diese Unterscheidung hat praktische Folgen. Gängige Herangehensweisen bei vermeintlicher Motivationsschwäche — sich Ziele setzen, Belohnungen strukturieren, an den Willen appellieren — adressieren ein anderes Problem.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ein Leben zwischen zwei Extremen
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Lange existierte Inertia fast nur in Community-Texten. Inzwischen gibt es qualitative Forschung dazu. Buckle und Kolleg:innen (2021) befragten 32 autistische Erwachsene in Fokusgruppen; Ward und Kolleg:innen (2026) analysierten 501 Reddit-Threads mit fast 10.000 Kommentaren aus autistischen Online-Communities — eine deutlich größere Datenbasis als alle bisherigen Interview-Studien. Beide Studien kommen in der Beschreibung des Erlebens zu sehr ähnlichen Ergebnissen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das zentrale Muster: ein Leben zwischen zwei Extremen. Auf der einen Seite steht die inertiale Ruhe — das Anfangen fällt schwer, unabhängig davon, ob die Aufgabe lästig oder geliebt ist. Viele beschreiben eine Art Barriere zwischen Absicht und Bewegung, ein Gefühl, festzustecken oder gelähmt zu sein, obwohl die Motivation vorhanden sei (Ward et al., 2026). Auf der anderen Seite steht die inertiale Bewegung — wer einmal drin ist, findet schwer wieder heraus. Das kann sich als Flow anfühlen, als Zustand, in dem alles stimmt. Es kann aber auch bedeuten, dass Essen, Trinken, Schlaf und Termine wegfallen, weil der Ausstieg nicht gelingt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Und es gibt einen dritten, oft übersehenen Punkt: den Wechsel selbst. Eine Person in der Studie von Ward und Kolleg:innen beschreibt, man könne nicht direkt vom Geschirrspülen zum Wäschewaschen übergehen — dazwischen liege ein eigener Arbeitsschritt namens „Aufgabe wechseln", und genau der koste die Energie. Übergänge sind in dieser Beschreibung selbst eine Anforderung mit eigenen Energiekosten.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Reddit-Daten machen außerdem einen Zusammenhang sichtbar, der in der früheren Forschung nur am Rand auftauchte: einen Teufelskreis aus Inertia, Energie und Stimmung. Längere Phasen des Nicht-in-Gang-Kommens können Scham und gedrückte Stimmung auslösen, was das Anfangen weiter erschwert. Gelingt es dann, folgt häufig eine geladene Phase intensiver Aktivität — mit anschließendem Einbruch, den die Reddit-User:innen als Erschöpfung, Shutdown oder Vorstufe eines Burnouts beschreiben (Ward et al., 2026).
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wenn dir diese Schleife also bekannt vorkommt, dann darfst du dir aus diesem Text mitnehmen: Sie ist dokumentiert, wird erforscht und du bist damit nicht allein. Vor allem bist du weder faul noch undiszipliniert.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ein Befund aus beiden Studien verdient besondere Aufmerksamkeit. Der Ausstieg aus einem Inertia-Moment verläuft oft nicht über stärkere Selbststeuerung, sondern über einen externen Impuls: eine andere Person im Raum, eine veränderte Umgebung, eine Unterbrechung der aktuellen Konfiguration. Buckle und Kolleg:innen haben das schon im Titel ihrer Studie festgehalten — „No Way Out Except From External Intervention".
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Zwei Erklärungsansätze
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Warum ist das so? Zwei theoretische Zugänge halte ich für aufschlussreich.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Monotropismus (Murray, Lesser &amp;amp; Lawson, 2005) beschreibt einen Aufmerksamkeitsstil, bei dem die Verarbeitungsressourcen sehr intensiv auf wenige Interessen gerichtet werden. Murray und Kolleg:innen sprechen von einem Aufmerksamkeitstunnel: Was innerhalb des Tunnels liegt, wird mit hoher Schärfe wahrgenommen, was außerhalb liegt, kaum. Das erzeugt Tiefe, Expertise und die Möglichkeit von Flow. Es erzeugt aber auch einen hohen Aufwand beim Umschalten: Jeder Wechsel des Fokus' verlangt einem monotropen System mehr ab als einem polytropen, in dem viele Interessen gleichzeitig, aber mit geringerer Intensität wach sind. Inertia lässt sich aus dieser Perspektive als Begleiterscheinung monotroper Aufmerksamkeit verstehen — und auch Ward und Kolleg:innen ziehen Monotropismus als Erklärung für die hohen Energiekosten des Zustandswechsels heran.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Predictive Coding ist ein neurokognitives Modell, das Wahrnehmung und Handlung als kontinuierliche Vorhersage und deren Abgleich mit tatsächlich eingehenden Reizen versteht (Van de Cruys et al., 2014). Aus dieser Perspektive erzeugt jeder Übergang in eine neue Situation eine hohe Unschärfe zwischen Vorhersage und Realität. Nach meinem Verständnis muss das System dann die Realität mühsam aus den eingehenden Daten dechiffrieren, statt sich auf seine Vorhersagen zu stützen, und verbraucht dabei viele Ressourcen. Wichtig zur Einordnung: Ward und Kolleg:innen (2026) halten die kausale Beziehung zwischen Inertia und Predictive Coding ausdrücklich für noch ungeklärt. Beide Ansätze sind also als plausible Lesarten zu verstehen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wie das meine Beratung verändert
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wenn mir in der Beratung jemand beschreibt, nicht starten zu können, obwohl der Wille da ist, dann frage ich zuerst nach dem konkreten Moment: Wie sieht er aus, der Punkt, an dem der Übergang ausbleibt? Was steht direkt vor dem blockierten Schritt — eine Entscheidung, eine Unsicherheit, ein Zustand, der gerade verlassen werden müsste?
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Und ich schaue mit der Person, welche externen Strukturen den Übergang erleichtern könnten: eine andere Person im Raum, eine feste Zeit, ein Ritual, ein Signal — wobei Letztere oft nur anzeigen, dass es jetzt losgehen soll, ohne den Schritt selbst anzustoßen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Und ich möchte wissen, was in der Vergangenheit funktioniert hat — war das eher eine innere oder eine äußere Lösung? Motivationsfragen, was jemand wirklich will und welche Werte dahinterstehen, stelle ich in diesem Zusammenhang so gut wie nie.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Forschung zu Bewältigungsstrategien deutet in dieselbe Richtung. In den Reddit-Daten berichten viele Nutzer:innen, dass externe Anstöße funktionierten: eine zweite Person im Raum beim Arbeiten („Body Doubling"), Erinnerungen und Zeitstrukturen, Verabredungen mit Verbindlichkeit nach außen. Gleichzeitig beschreiben sie die Grenzen dieser Werkzeuge — plötzliche Alarme könnten Angst auslösen, zu kleinteilige Pläne erzeugten selbst Überforderung (Ward et al., 2026). Es gibt also keine Einheitslösung; was hilft, muss individuell herausgefunden werden, und ein Teil der Antwort beinhaltet fast immer die Anpassung der Umgebung.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das bedeutet für dich: Du brauchst weder einen stärkeren Willen noch eine höhere Disziplin — sondern eine passendere Umgebung. Und die lässt sich gestalten.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Zum Schluss
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich schreibe über Inertia, weil sie zu den autistischen Alltagserfahrungen gehört, die in der Öffentlichkeit häufig als Faulheit oder mangelnde Disziplin fehlgelesen werden. In den Studien tauchen genau diese Selbstvorwürfe wieder auf: Menschen, die sich „faul und dumm" nennen, weil sie nicht in Gang kommen (Ward et al., 2026). Die Fehletikettierung prägt, wie autistische Menschen sich selbst sehen — und welche Art der Unterstützung ihnen angeboten wird.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Falls du beim Lesen gemerkt hast, dass du genauer anschauen möchtest, wie du in Bewegung kommst und wieder herauskommst, kannst du dafür mein
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://forms.spektrum-muenster.de/workbook" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Workbook
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            nutzen — um zu sehen, ob das Muster zu deiner Situation passt. Es ist frei zugänglich, ohne Anmeldung, und du musst dabei nichts entscheiden.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Quellen
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;ul&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Buckle, K. L., Leadbitter, K., Poliakoff, E., &amp;amp; Gowen, E. (2021). „No Way Out Except From External Intervention": First-Hand Accounts of Autistic Inertia.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Frontiers in Psychology, 12
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            , 631596. 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.3389/fpsyg.2021.631596" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.3389/fpsyg.2021.631596
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Dekker, M. (1999). On our own terms: Emerging autistic culture [Konferenzbeitrag].
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Autism99 Online Conference.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://www.autscape.org/2015/programme/handouts/Autistic-Culture-07-Oct-1999.pdf" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://www.autscape.org/2015/programme/handouts/Autistic-Culture-07-Oct-1999.pdf
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Murray, D., Lesser, M., &amp;amp; Lawson, W. (2005). Attention, monotropism and the diagnostic criteria for autism.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Autism, 9
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             (2), 139–156.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1177/1362361305051398" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1177/1362361305051398
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Van de Cruys, S., Evers, K., Van der Hallen, R., Van Eylen, L., Boets, B., de-Wit, L., &amp;amp; Wagemans, J. (2014). Precise minds in uncertain worlds: Predictive coding in autism.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Psychological Review, 121
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (4), 649–675. 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1037/a0037665" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1037/a0037665
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Ward, T., Popazov, S., Adams, J., Clapham, H., Lawson, W., Karaminis, T., &amp;amp; Pellicano, E. (2026). Understanding phenomenological experiences of autistic inertia using online community discourse.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Communications psychology, 4
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             (1), 18.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1038/s44271-025-00386-4" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1038/s44271-025-00386-4
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
  &lt;/ul&gt;&#xD;
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      <pubDate>Sat, 13 Jun 2026 17:56:51 GMT</pubDate>
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      <media:content medium="image" url="https://de.cdn-website.com/35d48a784ab4418ba44d866260723e9d/dms3rep/multi/pexels-photo-15550418-57066840.png">
        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Autistisches Burnout bei Frauen*</title>
      <link>https://www.spektrum-muenster.de/autistisches-burnout-bei-frauen</link>
      <description>Autistisches Burnout bei Frauen wird häufig zunächst als Depression behandelt. Was dieses Muster erzeugt, was der Umweg kostet — und was aus der Spirale hilft.</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Jahrelang als Depression behandelt
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Seit ich meine Praxis im Januar 2026 eröffnet habe, fällt mir ein Muster auf: Unter meinen Klient:innen sind deutlich mehr Frauen und weiblich sozialisierte Personen, als die Diagnosequoten vermuten ließen. Häufig wird nach den ersten Gesprächen erkennbar, dass es um mehr geht als eine zunächst gestellte Diagnose wie Depression oder Angststörung.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Warum der Anteil an Frauen* so hoch ist, die meine Beratung aufsuchen, dazu habe ich zwei Vermutungen. Erstens: Frauen* suchen häufig frühzeitig — und rechtzeitig — medizinische oder psychologische Unterstützung auf, wenn sie merken, dass etwas nicht stimmt. Das ist eine wertvolle Ressource — es bedeutet oft weniger Verzögerung bei der ersten Kontaktaufnahme. Meine zweite Vermutung: Der Weg dieser Frauen* lief fast immer zuerst über andere als autismus-informierte Hilfen, bevor sie meine Beratung im Erwachsenenalter aufgesucht haben — vermutlich, weil Autismus bei Mädchen im Kindesalter häufiger übersehen wird und ein passender Rahmen für diese Erschöpfung damit von Anfang an fehlt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Was sie an Erschöpfung beschreiben, wird über Jahre als Depression oder Soziale Phobie behandelt, bevor es sich besser als Autistisches Burnout verstehen lässt. Dieser Umweg kann Jahre kosten, und ein Teil dessen, was bei Depression oder Angst hilft, kann bei Autistischem Burnout sogar kontraindiziert sein.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           In diesem Artikel geht es um diesen Weg: von der tiefen Erschöpfung über eine Diagnose, die zunächst nicht ganz passt, bis zu dem Punkt, an dem sich die Zusammenhänge erklären lassen — und zu dem, was dann tatsächlich hilft.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wenn die Diagnose Depression nicht mehr passt
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die folgende Beschreibung ist aus Gründen der Anonymisierung eine Zusammenstellung aus mehreren Beratungen mit Frauen*. Sie zeigt typische Muster, die mir wiederholt begegnen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Einige Dinge wiederholen sich in den Gesprächen. Eine Frau* Mitte vierzig kommt zu mir, kurz nachdem sie eine Autismus-Diagnose erhalten hat. Sie kämpft seit langer Zeit mit massiven Erschöpfungszuständen. Die Diagnose einer Depression kam Anfang dreißig; sie habe verschiedene Antidepressiva ausprobiert, aber keine nachhaltige Veränderung erlebt. Sie beschreibt sensorische Reize — Lichter, Geräusche, Gespräche, manchmal sogar Gerüche —, die ihr im Hintergrund permanent die Energie rauben, die sie eigentlich für ihre Arbeit benötige.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Dazu kommt noch etwas: Im Kontakt mit ihren Kolleg:innen funktioniere sie, mache sogar einen
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           echt guten Job
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            — aber hinterher sei sie völlig erledigt, und müsse trotzdem weitermachen. Für zwei Stunden Gespräche brauche sie eigentlich den restlichen Tag, um wieder zurechtzukommen; das Wochenende sei viel zu kurz, um sich wirklich zu erholen. Sie wisse nicht, wie sie aus diesem Kreislauf herausbrechen könne — sie habe verschiedene Unterstützungsformen probiert, nichts habe wirklich geholfen.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Mir fällt über die Termine auf, dass die beschriebene Erschöpfung eine andere Ebene durchzieht, als bei einer genuinen depressiven Verstimmung zu erwarten wäre. Der Erschöpfungszustand bezieht sich mehr auf physiologische und energetische Komponenten als auf affektive. Die für eine Depression typische Anhedonie — der Verlust von Freude — ist nicht allumfassend: Meine Klientin* wiederholt immer wieder, wie sehr sie sich nach ihrem Spezialinteresse, dem Lesen und Schreiben von Gedichten sehnt, ihr aber schlicht die Energie fehle. Was sie beschreibt, ist eher eine tiefe Ausgelaugtheit. Mehr Schlaf schafft etwas Spielraum, reicht aber allein nicht aus. Ob eine Aktivität hilft oder erschöpft, hängt davon ab, was sie verlangt: Soziale Kontakte kosten auch dann, wenn sie gut laufen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Wenn ich gezielter nachfrage, inwiefern sie Gespräche vorbereitet oder ob sie währenddessen darauf achtet, auf eine bestimmte Art zu wirken, erhalte ich folgende Antwort: Ja, sie
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           arbeite
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            aktiv daran; sie bemühe sich, eine kohärente Persona aufrechtzuerhalten. Sie habe eine Art
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Arbeits-Ich
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           .
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Diagnostisch sind die letztgenannten Punkte besonders wertvoll. Was sie über Jahre als therapieresistente Depression eingeordnet hat, beschreibt vermutlich einen Zustand, für den der Rahmen der Depression von Anfang an nicht gänzlich gepasst hat.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wenn Erschöpfung wie Depression aussieht
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die eben beschriebene Erschöpfung — körperlich, energetisch, ohne globale Anhedonie — lässt sich von außen leicht für eine Depression halten, obwohl sie aus dem ständigen Funktionieren im Kontakt entsteht. Die Forschung zu autistischem Burnout erklärt etwas, das mir in diesen Fällen immer wieder begegnet: warum dieses Bild bei Frauen* so zuverlässig als Depression eingeordnet wird.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Autistisches Burnout wird in der Literatur als ein Zustand definiert, der durch chronische, langfristige Erschöpfung, Funktionsverlust und reduzierte Reiztoleranz charakterisiert ist und definitionsgemäß über mindestens drei Monate anhält:
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Having all of your internal resources exhausted beyond measure and being left with no clean-up crew"
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (Raymaker et al., 2020) —
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           die internen Ressourcen sind bis aufs Letzte aufgebraucht, und niemand räumt hinter einem auf
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           .
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Mantzalas, Richdale und Dissanayake (2022) beschreiben Burnout in ihrem Konzeptmodell als Ungleichgewicht zwischen persönlichen Anforderungen — Masking, sensorische Sensitivitäten, autistische Merkmale — und persönlichen Ressourcen wie Stimming, Spezialinteressen oder sozialer Unterstützung. Eine der zentralen dieser Anforderungen ist das Masking: das Verbergen autistischer Merkmale und das Kompensieren sozialer Schwierigkeiten durch intensives
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Self-Monitoring
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            und vorbereitete Gesprächsskripte (Hull et al., 2017). Es erschöpft, hinterlässt das Gefühl, nicht die wahre Version von sich selbst zu zeigen, und belastet die Identität. Wenn die Anforderungen die Ressourcen über lange Zeit übersteigen und gleichzeitig Entlastungsmöglichkeiten fehlen (Raymaker et al., 2020), kann Burnout entstehen, häufig in Phasen, die ohnehin viel verlangen – wie etwa Schulübergang, Berufseinstieg oder Schwangerschaft.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Solange dieses Ungleichgewicht nicht als das erkannt wird, was es ist, türmt sich die Last weiter auf — ohne angepasste Umgebungen, ohne das Verständnis, dass Masking erschöpft.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Zwei Dinge verschieben das Bild bei Frauen*: wie die Erschöpfung von außen aussieht, und wer hinschaut.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Mantzalas et al. (2022) diskutieren als Hypothese, dass gesellschaftliche Rollenerwartungen an Frauen* den Masking-Druck erhöhen können. Meinem Verständnis nach werden dieselben Verhaltensweisen — wenig expressiver emotionaler Ausdruck, Direktheit, geringes Mitschwingen im Small Talk — bei Frauen* sozial häufiger als auffällig markiert als bei Männern — und nicht selten auch sanktioniert —, was den Anpassungsdruck strukturell verschärft.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Parallel dazu zeigt aktuelle Forschung aus Schweden (Fyfe et al., 2026) ein klares Bild: Das Geschlechtsverhältnis bei der Diagnose verschiebt sich mit dem Alter stark. In früher Kindheit kommen noch etwa drei diagnostizierte Jungen auf ein Mädchen; bei den 15- bis 19-Jährigen werden bereits mehr Frauen als Männer neu diagnostiziert. Über alle Altersgruppen bis Alter 20 zusammengenommen liegt das Verhältnis noch knapp auf Männerseite (etwa 1,2 zu 1). Bei Fortsetzung des Trends lautet Fyfes Projektion:
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „In Sweden, it may no longer be distinguishable by adulthood"
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           . Die Forschenden lesen das vor allem als strukturelles Signal: Mädchen werden im Kindesalter systematisch zu selten erkannt. Biologische Unterschiede schließen sie nicht aus, bezeichnen die Evidenz dafür aber als gemischt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Diese Diagnose-Lücke erklärt das Muster, warum so viele Frauen* mit dieser Art der Erschöpfung zunächst eine Depressionsdiagnose erhalten — oft über Jahre, ohne dass jemand fragt, was meine Klientin im Gespräch beschreibt. Bei ihr hat es bis Mitte vierzig gedauert, bis dies einen Namen bekam. Die Jahre davor liefen unter der Diagnose Depression. Dieser Umweg kostet aber nicht nur Zeit.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Warum übliche Interventionen hier nicht passen
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Typische Interventionen bei einer Depressionsdiagnose folgen meist folgendem Muster: mehr Zeit für Selbstfürsorge, klarere Grenzen, oft auch eine aktivierende Komponente — soziale Kontakte wiederaufleben lassen, den Alltag öffnen, Neues ausprobieren. Bei einer ausschließlichen Depression kann dies indiziert sein; Verhaltensaktivierung gehört dort zum Standard.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Genau hier wird bei einem Autistischen Burnout ein anderer Umgang erforderlich. Raymaker et al. (2020) und Mantzalas et al. (2022) beschreiben Burnout als Zustand, der entsteht, wenn Anforderungen die Ressourcen über lange Zeit übersteigen. Mehr Kontakt, mehr Aktivität, ein offenerer Alltag — das sind zusätzliche Anforderungen. In klinischen Konsenskriterien zu autistischem Burnout werden verhaltensaktivierende Ansätze ausdrücklich als
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           nicht empfohlen
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            eingestuft und als
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           möglicherweise kontraindiziert
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            eingeordnet (Higgins et al., 2021). Der Umweg über die Depressionsdiagnose kostet also nicht nur Jahre — ein Teil dessen, was er vorschreibt, wirkt in diesem Fall in die falsche Richtung.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Was stattdessen hilft: der Weg aus dem Burnout
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Wenn die aktivierende Logik in die falsche Richtung deutet, stellt sich die Frage, was denn stattdessen hilft. Die Forschung nennt es
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Pacing
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            — Anforderungen an die aktuelle Belastbarkeit anpassen, in der eigenen Frequenz arbeiten: kleinere Einheiten und längere Pausen, ohne ein von außen gesetztes Wochentempo. Aus diesem Prinzip leite ich in der Beratung einen einfachen Selbsttest ab: eine Aktivität, die allgemein als hilfreich gilt — Sport, ein Treffen, ein Spaziergang —, ausprobieren und ein bis zwei Tage später den Energiestand prüfen. Sinkt er, statt zu steigen, ist das eine Information über die eigene Belastbarkeit, kein persönliches Versagen.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der erste Schritt ist dann oft eine deutliche Reduktion: Reize, Pflichten und soziale Kontakte werden für eine Weile radikal heruntergefahren. In der akuten Phase bildet dieses Vorgehen die Grundlage — ohne diese Entlastung greifen die weiteren Schritte meist nicht. Eine Krankschreibung ist dabei ein legitimer, häufig notwendiger Teil der Erholung.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Innerhalb dieser Reduktion bleibt Raum für eine bestimmte Art von Aktivität. Die Spezialinteressen wirken für viele wie ein Anker: Wer sich tief für Botanik, ein bestimmtes Videospiel oder eine historische Epoche interessiert, erholt sich durch die Beschäftigung damit oft spürbar. Diese Zeit gehört zur Erholung; wird sie als Vermeidung gedeutet, geht eine der wenigen verlässlichen Energiequellen verloren.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Daneben hilft sensorische Entlastung — die Reizlast senken, nicht erhöhen: eine veränderte räumliche Umgebung, Pausen, die bewusst vor der Überlastung liegen. Das hat einen Grund: Viele Autist:innen richten ihre Aufmerksamkeit tief auf wenige Dinge — was die Forschung als
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           monotropen Verarbeitungsstil
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            beschreibt (Murray et al., 2005). Umgebungen, die unterschiedliche Kanäle zum Verarbeiten gleichzeitig verlangen, überfordern diesen Stil schnell. In einer reizarmen, vorhersagbaren Umgebung kann derselbe Stil seine Stärke ausspielen — eine tiefe, beinahe expert:innenhafte Auseinandersetzung mit der Thematik der Wahl.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der erste Schritt allein reicht meiner Erfahrung nach häufig nicht aus für nachhaltige Veränderung — er schafft Spielraum, aber die burnout-begünstigenden Bedingungen sind ohne den zweiten Schritt noch da. Wer aus der Erschöpfung herauskommt, ohne die Umgebung zu verändern, kehrt in dieselbe Konstellation zurück.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Sobald die akute Reduktion erste Spielräume schafft, lässt sich der zweite Schritt angehen: Umgebungsanpassung statt Willensanstrengung. Praktisch heißt das oft: Wochenarbeitsstunden (auch Care Work) reduzieren, weniger soziale Verpflichtungen, dazu konkrete Veränderungen wie eine reizärmere Wohnsituation, schriftliche Kommunikation oder klarere Strukturen am Arbeitsplatz.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Umgebungsanpassung schließt dabei auch Übergänge ein. In tiefer Konzentration treten Körpersignale in den Hintergrund — Hunger, Durst, der Moment für eine Pause —, und das Umschalten aus diesem Zustand fällt schwer (in der Forschung als
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           autistische Inertia
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            beschrieben; Buckle et al., 2021). Ein Wecker oder eine Liste allein funktionieren hier oft nicht, weil das Problem weniger beim Wissen liegt als beim Umschalten selbst. Verlässlicher wirkt eine äußere Struktur — eine andere Person, die einen realen Impuls gibt. Beim Starten wirkt das
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Body Doubling
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           ; beim Aufhören gilt dasselbe Prinzip, wenn der Stopp-Zeitpunkt vor der Konzentrationsphase sozial verankert ist: Eine Verabredung oder eine geteilte Pause macht das Aufhören zur sanften sozialen Verpflichtung.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Beide Schritte schaffen Spielraum. Die längerfristige Arbeit setzt dann tiefer an: das
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Unmasking
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            — das schrittweise Zurücknehmen des Maskings. Es lässt sich nicht per Entschluss ablegen, und es soll das auch nicht pauschal: Masking hat in vielen Situationen einen Zweck und einen realen Schutzwert, denn sichtbar autistisch zu sein, kann beruflich oder sozial reale Nachteile haben. Die eigentliche Arbeit ist deshalb eine laufende Abwägung, wie eine Art Bilanzlogik: In welchen Situationen ist Masking seinen Preis wert und in welchen weniger. Nach der Forschungslage hängt die Belastung weniger davon ab, wie intensiv gemaskt wird, als davon, wie viel Zeit insgesamt damit verbracht wird. Diese Arbeit ist oft langsamer als erwartet, weil viele Maskingroutinen unbewusst ablaufen und sich erst über Wochen zeigen.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Für Frauen*, die lange funktioniert haben, ist das oft die einschneidendere Einsicht als die Diagnose selbst: dass die Erschöpfung aus den Bedingungen kommt, unter denen sie gelebt haben — und dass sich an diesen Bedingungen etwas verändern lässt. Manches davon ist individuelle, Vieles aber ist strukturelle Arbeit. Denn solange Umgebungen so gebaut sind, dass dauerhaftes Masking der Preis für Teilhabe ist, bleibt ein großer Teil der Aufgabe gesellschaftlich.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Warum ich darüber schreibe
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich schreibe über autistisches Burnout — und speziell über den Umweg, den so viele Frauen* zuerst über die Depressionsdiagnose nehmen — weil es ein Thema ist, das zu wenig Beachtung findet. Dieser Umweg hat konkrete Folgen: Jahre unter einer Diagnose, die nicht passte, und mit ihnen die Selbstzweifel, ob man überhaupt genug ist, um Hilfe in Anspruch zu nehmen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wenn sich beim Lesen etwas für dich klar geworden ist oder wenn du jemanden in deinem Umfeld nun besser verstehst, dann freue ich mich. Wenn nicht, ist das auch okay.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Ein Wort zur Sprache
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           . Ich schreibe hier von Frauen* und weiblich sozialisierten Personen, weil das, was ich beschreibe, weniger an der Geschlechtsidentität hängt als daran, welches Geschlecht einem Menschen bei der Geburt zugeschrieben wurde und wie er aufgewachsen ist. Das Sternchen meint diese weitere Lesart mit. Trans Männer, nichtbinäre und geschlechtsdiverse autistische Menschen können sich in denselben Mustern wiedererkennen. Die Studien, auf die ich mich beziehe, arbeiten fast durchgängig mit den Kategorien „Frauen" oder „weiblich"; differenziertere Untersuchungen, die etwa die Erfahrung von trans und nichtbinären autistischen Menschen eigens in den Blick nehmen, entstehen erst nach und nach. Wenn du dich in den Mustern hier wiedererkennst, in dem Wort „Frauen" aber nicht, dann ist dieser Text trotzdem für dich geschrieben.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Quellen
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;ul&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Buckle, K. L., Leadbitter, K., Poliakoff, E., &amp;amp; Gowen, E. (2021). „No way out except from external intervention": First-hand accounts of autistic inertia.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Frontiers in Psychology, 12,
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             631596. 
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.3389/fpsyg.2021.631596" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.3389/fpsyg.2021.631596
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Fyfe, C., Winell, H., Dougherty, J., Gutmann, D. H., Kolevzon, A., Marrus, N., Tedroff, K., Turner, T. N., Weiss, L. A., Yip, B. H. K., Yin, W., &amp;amp; Sandin, S. (2026). Time trends in the male to female ratio for autism incidence: Population based, prospectively collected birth cohort study.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             BMJ, 392,
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             e084164.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1136/bmj-2025-084164" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1136/bmj-2025-084164
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Higgins, J. M., Arnold, S. R. C., Weise, J., Pellicano, E., &amp;amp; Trollor, J. N. (2021). Defining autistic burnout through experts by lived experience: Grounded Delphi method investigating #AutBurnout.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Autism, 25
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (8), 2356–2369. 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1177/13623613211019858" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1177/13623613211019858
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Hull, L., Petrides, K. V., Allison, C., Smith, P., Baron-Cohen, S., Lai, M.-C., &amp;amp; Mandy, W. (2017). "Putting on my best normal": Social camouflaging in adults with autism spectrum conditions.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Journal of Autism and Developmental Disorders, 47(
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            8), 2519–2534. 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1007/s10803-017-3166-5" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1007/s10803-017-3166-5
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Mantzalas, J., Richdale, A. L., &amp;amp; Dissanayake, C. (2022). A conceptual model of risk and protective factors for autistic burnout.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Autism Research, 15
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (6), 976–987. 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1002/aur.2722" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1002/aur.2722
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Murray, D., Lesser, M., &amp;amp; Lawson, W. (2005). Attention, monotropism and the diagnostic criteria for autism.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Autism, 9
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             (2), 139–156.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1177/1362361305051398" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1177/1362361305051398
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Raymaker, D. M., Teo, A. R., Steckler, N. A., Lentz, B., Scharer, M., Delos Santos, A., Kapp, S. K., Hunter, M., Joyce, A., &amp;amp; Nicolaidis, C. (2020). Having all of your internal resources exhausted beyond measure and being left with no clean-up crew: Defining autistic burnout.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Autism in Adulthood, 2
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             (2), 132–143.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1089/aut.2019.0079" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1089/aut.2019.0079
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
  &lt;/ul&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 18 May 2026 18:19:50 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Mein Blick auf Autismus</title>
      <link>https://www.spektrum-muenster.de/mein-blick-auf-autismus</link>
      <description>Wie ich auf Autismus schaue – und warum das einen Unterschied macht. Ein Beitrag über Masking, Double Empathy und neurodiversitätsaffirmative Beratung.</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Was Neurodiversitätsaffirmativität für mich bedeutet
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Vor ein paar Tagen habe ich ein
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.tes.com/magazine/teaching-learning/general/uta-frith-interview-autism-not-spectrum" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Interview
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            im britischen Magazin TES gelesen, das mich nicht losgelassen hat.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Uta Frith, emeritierte Professorin am University College London und eine der einflussreichsten Autismusforscherinnen der letzten Jahrzehnte, hat sich darin zu steigenden Diagnosezahlen, dem Konzept des Autismus-Spektrums und zur Frage geäußert, wer eigentlich „wirklich" autistisch ist.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich habe das Interview mit echtem Interesse gelesen. Frith ist keine Randfigur – sie hat Grundlagenforschung geleistet, auf die sich das Feld bis heute bezieht. Aber ich habe es auch mit wachsendem Unbehagen gelesen. Denn einige der Aussagen darin spiegeln Annahmen wider, von denen sich die Forschung der letzten Jahre zunehmend entfernt – und von denen ich mich in meiner Arbeit bewusst abgrenze.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Dieser Beitrag ist mein Versuch, dies zu benennen. Und gleichzeitig zu erklären, wie ich auf Autismus schaue – konkreter, als es ein Bekenntnis zu „neurodiversitätsaffirmativem Arbeiten" allein leisten kann.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „The masking idea has no scientific basis"
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das ist ein direktes Zitat aus dem Interview. Frith bezweifelt, dass Masking – das bewusste oder unbewusste Anpassen des eigenen Verhaltens an neurotypische Normen – ein valides Konzept ist. Ihre Begründung: Erschöpfung, die viele Betroffene beschreiben, könnte auch andere Ursachen haben. Und im Grunde maskierten wir alle.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Forschungslage sieht anders aus.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Hull et al. (2019) haben mit der Camouflaging Autistic Traits Questionnaire (CAT-Q) ein valides Messinstrument entwickelt und zeigen, dass Camouflaging in engem Zusammenhang mit Depressivität, Suizidalität und dem Verlust eines stabilen Selbstkonzepts steht – Befunde, die durch nachfolgende Arbeiten und mehrere Reviews weiter gestützt wurden. Cook et al. (2021) diskutieren in ihrer systematischen Übersicht Masking als zentralen Faktor, der zu später oder verpasster Diagnose beiträgt – besonders bei Frauen und gender-diversen Personen. Mit Hull et al., Cook et al. und dutzenden weiterer quantitativer und qualitativer Studien gehört Masking inzwischen zu den am intensivsten beforschten Themen im Feld.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Was mich an dieser Stelle jedoch mehr beschäftigt als die Faktenlage, ist die Richtung des Arguments. Wenn jemand sagt:
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Ich erschöpfe mich täglich daran, so zu tun als ob"
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            – und die Antwort lautet:
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Das können wir nicht objektivieren, also zählt es nicht"
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            – dann wird gelebte Erfahrung systematisch aus dem Erkenntnisprozess herausgehalten. Darin liegt mein zentrales Unbehagen mit dieser Position.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wessen Wahrnehmung gilt als Maßstab?
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Frith äußert im Interview die Sorge, dass Diagnostiker:innen heute zu stark auf „detailed interviews that provide a lot of subjective experience" setzen – und zu wenig auf „objective clinical observation". Als Indikator für Autismus nennt sie etwa, ob ein Gespräch sich „stilted or abrupt" anfühlt, oder ob jemand Ironie versteht. Gemeint ist: die Einschätzung des klinisch beobachtenden Gegenübers.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Hier wird etwas sichtbar, das die Forschung der letzten Jahre grundlegend herausgefordert hat.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Frith ist bekannt für ihre Mitentwicklung der
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Theory of Mind
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            – die Idee, dass autistische Menschen Schwierigkeiten haben, anderen mentale Zustände zuzuschreiben. Dieses Framework hat die klinische Praxis (und meine) jahrzehntelang geprägt – entwickelt von neurotypischen Forschenden über autistische Menschen, ohne ihre Beteiligung.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Damian Milton, selbst autistisch, hat 2012 das Double Empathy Problem formuliert: Der Kommunikationsbruch zwischen neurotypischen und neurodivergenten Menschen ist wechselseitig. Autistische Menschen zeigen unter sich hohe Verbundenheit und soziale Kohärenz – die Schwierigkeiten entstehen vor allem in gemischten Dyaden. Milton verortet die Schwierigkeiten im Mismatch zwischen unterschiedlich kalibrierten Systemen – und in der Frage, wer definieren darf, was als „normal" gilt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wenn Friths Forderung nach stärkerer Gewichtung klinischer Beobachtung in diesem Licht betrachtet wird, dann privilegiert sie neurotypische Wahrnehmung als Messinstrument für neurodivergentes Erleben. Eine neurotypisch kalibrierte Wahrnehmung erzeugt strukturell Vorhersagefehler, wenn sie auf autistische Ausdrucksweisen trifft – weil diese schlicht unerwartet sind. Ein neurologisch bedingter Verarbeitungsunterschied schlägt sich im klinischen Urteil nieder – oft ohne als solcher erkannt zu werden.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wer entscheidet, wer „wirklich" dazugehört?
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Frith argumentiert, das Spektrum sei „kollabiert" – zu weit geworden, zu wenig spezifisch. Ihr Vorschlag: das Label Autismus auf jene zu beschränken, die früh und mit deutlichen Einschränkungen diagnostiziert wurden. Spät Diagnostizierte – oft Frauen, oft ohne kognitive Beeinträchtigung, oft mit hoher sozialer Angst – sollten ihrer Ansicht nach besser unter einem anderen Label geführt werden.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich verstehe das Anliegen diagnostischer Präzision. Aber ich halte es für wichtig, zu benennen, was diese Position historisch bedeutet.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Lorna Wing und später Uta Frith haben durch ihre englischsprachigen Veröffentlichungen maßgeblich dazu beigetragen, dass ein Autismus-Bild, das auf einer Handvoll ausgewählter Jungen basierte, zum internationalen Standard wurde. Mädchen, die nicht in dieses Bild passten, wurden in Aspergers Klinik systematisch ausgeschlossen – mit Folgen, die weit über Diagnostik hinausgingen. Es ist der Ursprung einer Engführung, die bis heute nachwirkt: in Diagnoseinstrumenten, die Masking nicht erfassen; in Wartelisten, die vor allem für sichtbar „beeinträchtigte" Personen konzipiert wurden; in der Vorstellung, wer zum Kern und wer zur Peripherie des Spektrums gehört.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Frage, wer die Deutungshoheit über Kategorien hat, lässt sich nicht aus dem gesellschaftlichen Kontext herauslösen, in dem sie gestellt wird. Sie entscheidet darüber, wer Zugang zu Unterstützung bekommt, wessen Erschöpfung als real anerkannt wird, wessen Erleben als Datenpunkt zählt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wie ich arbeite – und warum das einen Unterschied macht
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Ich verwende den Begriff
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           neurodiversitätsaffirmativ
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            bewusst – und meine damit mehr als eine Haltung.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ausgangspunkt meiner Arbeit ist die Frage, was in einem Menschen vorgeht – nicht, ob sein Erleben einem diagnostischen Bild entspricht. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht, sobald man ernst nimmt, was die neuere Forschung zeigt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Monotropismus (Murray et al., 2005) beschreibt einen Aufmerksamkeitsstil, bei dem Ressourcen intensiv auf wenige „interests of focus" gerichtet werden. Dieser Stil bringt Tiefe, Expertise und Flow-Erleben mit sich – er erklärt aber auch, warum Übergänge, Unterbrechungen oder parallele Anforderungen so kostspielig sein können. Was von außen wie Sturheit oder Inflexibilität aussieht, ist oft der Ausdruck eines Systems, das beim Umschalten einen hohen Aufwand betreibt. Autistische Inertia – die Schwierigkeit, Handlungen zu initiieren oder zu unterbrechen – lässt sich gut mit Predictive-Coding-Modellen in Einklang bringen, wie sie Pellicano und Burr (2012) für autistische Wahrnehmung beschreiben: ein System, das stark auf eigene Vorhersagen setzt, reagiert auf unerwartete Anforderungen anders als eines, das kontinuierlich auf externen Input kalibriert.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Alexithymie – die Schwierigkeit, eigene Gefühle zu identifizieren und zu beschreiben – betrifft einen erheblichen Teil autistischer Erwachsener und wird im klinischen Alltag noch immer häufig übersehen oder mit Empathiemangel verwechselt, obwohl beide Konzepte klar trennbar sind. Wer seine eigenen Gefühle schwer benennen kann, wirkt nach außen manchmal flach oder unberührt – dabei ist das Gegenteil oft der Fall.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das verändert, was ich in einer Sitzung höre und welche Fragen ich stelle. Wenn jemand beschreibt, nach jedem Sozialkontakt tagelang erschöpft zu sein, denke ich nicht zuerst an soziale Phobie. Ich denke an den Aufwand, den ein neurotypisch ausgerichtetes Umfeld einem monotropen System abverlangt. Ich denke an Masking als chronische Erschöpfungsquelle, nicht als Copingstrategie. Und ich denke an die Frage, welche Kontexte für diese Person überhaupt tragfähig sind – nicht, wie sie sich besser anpassen könnte.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das Double Empathy Problem hat auch eine direkte Konsequenz für die Beratungsbeziehung selbst. Ein neurotypisch kalibriertes Wahrnehmungssystem – meines eingeschlossen – erzeugt automatisch Momente, in denen autistische Ausdrucksweisen als unerwartet registriert werden. Was dabei entsteht, ist ein struktureller Verarbeitungsunterschied, der sich im klinischen Urteil niederschlagen kann. Die Frage ist, ob ich diesen Moment bemerke und meinen automatischen Schluss daraus zurückhalte – oder ob ich ihn ungeprüft als Aussage über mein Gegenüber behandle. In der Praxis verändert das die Sprache: weniger „Ich merke, dass dich das nicht bewegt" – mehr „Ich merke etwas, und ich bin nicht sicher, was es bedeutet. Was passiert bei dir gerade?"
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Person, die mir gegenübersitzt, ist Expertin ihrer eigenen Erfahrung. Meine Rolle ist, den Rahmen bereitzustellen, in dem diese Erfahrung eingeordnet werden kann – nicht, sie von außen zu bewerten.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Zum Schluss
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Frith hat das Feld geprägt. Und das Feld hat sich weiterentwickelt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich schreibe diesen Artikel, weil Transparenz in der Beratungsarbeit für mich Voraussetzung ist. Wenn du zu mir kommst, solltest du wissen, auf welchen Annahmen meine Arbeit aufbaut – und von welchen sie sich bewusst entfernt hat.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wenn das, was du hier gelesen hast, eine Sprache für etwas trifft, das du schon länger kennst, bist du vielleicht richtig bei mir.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Quellen
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;ul&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Hull, L., Mandy, W., Lai, M. C., Baron-Cohen, S., Allison, C., Smith, P., &amp;amp; Petrides, K. V. (2019). Development and Validation of the Camouflaging Autistic Traits Questionnaire (CAT-Q).
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Journal of autism and developmental disorders, 49
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             (3), 819–833.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1007/s10803-018-3792-6" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1007/s10803-018-3792-6
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Cook, J., Hull, L., Crane, L., &amp;amp; Mandy, W. (2021). Camouflaging in autism: A systematic review.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Clinical psychology review, 89
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             , 102080.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1016/j.cpr.2021.102080" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1016/j.cpr.2021.102080
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Milton, D. E. M. (2012). On the ontological status of autism: The ‘double empathy problem’.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Disability &amp;amp; Society, 27
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             (6), 883–887.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://psycnet.apa.org/doi/10.1080/09687599.2012.710008" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1080/09687599.2012.710008
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Murray, D., Lesser, M., &amp;amp; Lawson, W. (2005). Attention, monotropism and the diagnostic criteria for autism.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Autism: the international journal of research and practice, 9
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             (2), 139–156.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1177/1362361305051398" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1177/1362361305051398
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Pellicano, E., &amp;amp; Burr, D. (2012). When the world becomes 'too real': a Bayesian explanation of autistic perception.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Trends in cognitive sciences, 16
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             (10), 504–510.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;a href="https://doi.org/10.1016/j.tics.2012.08.009" target="_blank"&gt;&#xD;
        
            https://doi.org/10.1016/j.tics.2012.08.009
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
  &lt;/ul&gt;&#xD;
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      <pubDate>Fri, 27 Mar 2026 08:35:10 GMT</pubDate>
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